Chorsänger im Freien © Studi43
Welt der Stimmen

Der Herbst ist da – kreativ werden und sicher proben!

Ideen für sichere Chorarbeit in den Herbst- und Wintermonaten

Während Teams rund um den Globus auf einen Impfstoff hinarbeiten, machen sich Sänger*innen und Dirigent*innen ihre Gedanken, wie sie die Chorarbeit in dieser "neuen Normalität" wieder aufnehmen können. Gerade jetzt, wo vielerorts eine gewissen „Zoom-Müdigkeit“ eingesetzt hat, gilt es umso mehr, den Chor zusammenzuhalten.

Es wurden weltweit so viele Aktivitäten eingestellt, dass die Frage, ob das Singen wieder aufgenommen werden sollte oder nicht, im Vergleich dazu fast schon banal klingt, aber für Millionen von Menschen weltweit ist der Chorgesangt eine wesentliche Quelle des emotionalen und mentalen Wohlbefindens. Schließlich ist das gemeinsame Singen nicht nur integraler Bestandteil aller möglichen kulturellen Traditionen, sei es religiöser und auch anderer Art, sondern auch eine grundlegende Art der Bindung, Kommunikation und des Ausdrucks von Emotionen. Kein Wunder, dass die Isolation durch die Pandemie bei vielen Chormitgliedern ein trauriges, vielleicht sogar depressives Gefühl hinterlassen hat.

Infolgedessen haben Sänger*innen und Dirigent*innen einzigartige Ideen entwickelt, wie sie weiter proben können. Als Inspiration für andere Chöre haben wir hier einige Aktionen zusammengetragen:

Kreative Gestaltung der Veranstaltungsorte - Die Empfehlungen der Experten beziehen sich auf Veranstaltungsorte mit großem Raumvolumen, um Abstände (mindestens zwei Meter in alle Richtungen, sowohl für die Interpreten als auch für die Dirigent*innen) und – falls es sich um Innenräume handelt – eine angemessene Belüftung zu gewährleisten. Für viele Chöre fiel die Wahl zuerst auf öffentliche Parks wie man hier sehen kann. Als Variation dessen haben sich einige Gruppen in Gärten getroffen (hier zu sehen), auf einer Terrasse in Italien, auf einem großen Feld in Deutschland (hier zu sehen), an einem Strand (hier zu sehen) in Parkhäusern in Norwegen (hier zu sehen), in einem Stadion (hier zu sehen) und überraschenderweise auch in einem Auto als „Drive-in Chöre“ (hier zu sehen).

Sich kreativ schützen - Das Tragen einer Maske wird für die Proben sehr empfohlen, sowohl beim Singen in der Halle (siehe hier) als auch im Freien (siehe hier). Aber jeder weiß, dass Masken nicht sehr bequem sind, vor allem nicht beim Singen. Deshalb werden neue Masken entwickelt, um das Singen zu erleichtern, wie beispielsweise The Singer’s Mask, die vom Broadway Relief Project verkauft wird und aus dem Gesicht herausragt. Darüber hinaus hat Kym Scott, Direktor für Choraktivitäten und Assistenzprofessor an der West Virginia University Choir School of Music, eine Sängermaske erfunden, die es den Chormitgliedern ermöglicht, ohne die dämpfenden Effekte einer Standard-Gesichtsmaske zu singen (siehe hier). Aber das ist noch nicht alles! Der Chœur de l'Opéra du Rhin hat zwischen Plexiglastrennwänden geprobt (siehe hier). Was die so genannten Face Shields betrifft, so betonen viele Wissenschaftler und Forscher die Tatsache, dass diese keine Alltagsmasken ersetzen können. Sie schützen zwar vor größeren Tröpfchen, halten aber keine Aerosole zurück.

Kreative Singezeiten und Arrangements - Viele Chöre planen das Singen in kleinen Gruppen (z. B. zwei Sänger pro Stimme) für 20 bis 30 Minuten. "Einige Chöre in den Vereinigten Staaten umgingen das vorgeschlagene Zeitlimit, indem sie nach 30 Minuten die Räume wechselten", sagte Allen Henderson, der geschäftsführende Direktor der National Association of Teachers of Singing. Eine andere Möglichkeit ist es, in zwei halbstündigen Sitzungen zu proben, mit einer Pause, um den Raum zu lüften.

Kreativität bei der Auswahl des Repertoires – Die BBC berichtete im August über eine Studie, die von der Universität Bristol veröffentlicht und von der Public Health England und dem Ministerium für Digitalisierung, Kultur, Medien und Sport unterstützt wurde und die zu dem Schluss kam, dass Singen nicht riskanter sei als Sprechen, da "es nicht mehr Atemwegspartikel produziert als Sprechen in ähnlicher Lautstärke". Der Wissenschaftler Jonathan Reid, der das Projekt mit leitete, sagte: "Es geht nicht um die Aussprache, es geht um die Lautstärke. Wenn man nur ein bisschen leiser singt, verringert man wirklich das Risiko". Hier ist also ein weiterer Anstoß, mit dem Repertoire zu experimentieren und gleichzeitig das Risiko gering zu halten.

Also, wie fühlt es sich an, endlich wieder zu singen?

"Es war eine solche Freude, wieder zusammen singen zu können. Man kann alles loslassen, was in einem steckt, und es fühlt sich so gut an", sagte Aref Hussaini vom „Citizens of the World Choir“.

"Ich erinnere mich so gut daran... wir waren so glücklich und dankbar dafür, dass wir endlich wieder zusammen waren, und konnten es kaum erwarten, mit dem Singen anzufangen, aber schon beim ersten Ton begannen wir zu weinen...! Es war so emotional", sagte Sabrina de Luca vom Chor Animae Voces in Italien. 

"Die Gelegenheit, die die Pandemie für mich geschaffen hat, ist, mich von traditionellen Musiziermodellen zu lösen und zu sagen: Wollte ich schon immer in einem Skulpturenpark singen? Oder wollte ich schon immer die Kulisse für eine andere Erfahrung sein? Wie wäre es mit einem Wanderkonzert? Das hat mir die Gelegenheit geboten, wirklich über den Tellerrand hinauszuschauen", sagte Danielle Cozart Steele, Chorleiterin aus Cincinnati.

Und wenn Ihr Euch noch mehr Chor-Inspiration holen wollt, schließt Euch diesem großartigen Projekt an, das von den Funky Voices aus England ins Leben gerufen wurde. Es will die Chorgemeinschaft wieder zum Leben zu erwecken, indem Hunderte von Sängerinnen und Sängern am 1. Oktober "You're The Voice" LIVE auf Facebook singen. Hier könnt Ihr Euch dafür anmelden.

Zur Erinnerung: Die Chormusik hat bislang alles überlebt, was die Welt ihr vor die Füße geworfen hat, und wird auch diese Herausforderung überleben. Bleibt positiv! Auch diese Zeiten werden vorübergehen!

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