Sonntag, 25. Juli 2010
Chöre bei der EXPO

Nicht länger einander fremd

Shaoxing: ein Quantensprung für die Stadt und ein Meilenstein für Künftiges

Vorbereitung und Ausrichtung der 6. World Choir Games in Shaoxing haben die Stadt am Perlfluss im Südosten Chinas mit einem Schlag nach vorn gebracht. Wertvolle Anstöße für die weitere kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung nennt Tang Zhigui, Direktor des Organisationskomitees der Gastgeber, als Haupteffekte der Großveranstaltung, mit der sich das „Venedig des Ostens“ im Jahr seines 2 500. Stadtjubiläums erstmals in diesem Umfang der Welt präsentiert.

Die Erfahrungen im Organisationsmanagement, weit mehr noch die kulturellen Begegnungen von Offiziellen, Akteuren, Helfern und Besuchern in der Interaktion mit Gästen aus über 80 Nationen werden weit über das Ereignis im engeren hinaus wirken.

Für die Öffnung Shaoxings im Prozess des ohnehin rasanten kulturellen Aufbruchs des ganzen Landes stellen die WCG einen Quantensprung dar. Schon weit vor der Abschlusszeremonie der 6. WCG dürfte feststehen: Einmal mehr hat die Philosophie des größten Chorwettbewerbs im olympischen Geiste ihren Zauber und ihre Strahlkraft unter Beweis gestellt.

„Unschlagbar“ findet INTERKULTUR-Präsident Günter Titsch, Begründer der WCG, die Uridee, Menschen im friedlichen und fairen Wettkampf zusammenzubringen und dabei mögliche Gräben und Vorurteile zu überwinden. Sie sei „der eigentliche Champion
von Shaoxing“.

Die Aufgeschlossenheit für Menschen, Musik- und Lebenskulturen aus anderen Regionen der Welt ist in den beiden Festwochen von Shaoxing geradezu plakativ. Kein Wettbewerb, kein Champions- und Sonderkonzert, bei dem das Klima der Internationalität nicht spürbar wäre. China mit allein 276 Chören aus 14 seiner Provinzen ist zwar der große Faktor der WCG 2010. Doch beeindrucken durch ihr Können und ihre spezifische Tradition nicht minder Vokalensembles beispielsweise aus Indonesien und Südafrika.

Chinas Chöre wie die Repräsentanten der Kultur des Landes pflegen zwar die nationalen Musiktraditionen mit Intensität und Leidenschaft. Doch stellen sich chinesische Chöre bei Zeremonien häufig nicht nur mit einem traditionellen, sondern auch einem frei ausgewählten Titel vor.

Der „neue Geist“ von Shaoxing war nicht zuletzt beim Extrakonzert in der großen Halle des Kulturzentrums auf der EXPO im benachbarten Shanghai zu spüren. Neun Chöre mit 200 Mitwirkenden von vier Kontinenten brannten ein vokales Feuerwerk aller Stilrichtungen ab. „We are no longer strangers“, lautete die zentrale Botschaft dieser Show wie letztlich der gesamten WCG. Ein Versprechen, das schon jetzt Lust auf mehr macht.

"Choral fireworks"